(1) Anreisetag 1 von 2




“Wo seid ihr mit dem auto? Ist Ralf schon wach?”  Kurz nach vier Uhr schleiche ich mich aus der Wohnung von Melanies Schwester und hoffe ich habe alles dabei damit ich nicht nochmal klingeln muss um wieder rein zu kommen. Der Covid Test war negativ, also hoffe ich weiter das meine fürchterlich laufende Nase nur auf eine Erkältung zurück zu führen ist. Mein kleiner Neffe Tobi wird mir wohl mit seiner kleinen Nase ein kleines Geschenk gemacht haben. Ich hab ihn doch erwischt wie er ueber ein Glas Nutella gebeugt mit dem Loeffel auf Jagd ging und ihm vor lauter Vorfreude die Sabber in grossen Stroemen ins Glas tropfte. 

Melanie erholt sich weiter von ihrer Covid Infektion und damit bleibt ein mulmiges Gefühl ob das alles gut geht oder ich es nun auch bekomme. Auf jeden Fall habe ich einen weiteren Test dabei, den ich vor dem Einstieg in den Trail machen will.




„Ging grad die Mailbox ran“ es ist jetzt 4:21 Uhr und es ist nix von Ralf zu sehen oder hören. Geplant war 4:10 bei Frank T. Und 4:15 bei mir. Das Ralf spät dran ist, ist nicht wirklich überraschend, aber das er nicht zu  erreichen ist , könnte wirklich bedeuten dass er noch schläft.


Es regnet jetzt leicht in Dresden, ich stelle mich unter den großen Ahorn Baum und rechne nochmal durch, wieviel Verspätung wir uns erlauben können. Aber da, 4:26 Uhr kommt der Volvo angeschossen, aus der anderen Richtung. 


“Jetzt kommt er!”




Ralf springt aus dem Elch und hilft mit den Rucksack in den Kofferraum zu stopfen. 


“Ich komme vor in deine Richtung”


Kurz danach versuchen wir nun auch Frank T.’s  Rucksack in den Volvo zu bekommen. Jetzt schon mit größeren logistischen Schwierigkeiten. 



Weiter geht es Richtung Radeburg, wo Christian schon wartet. Der vierte Rucksack wird eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine und endet darin, das wir einige Teile des Volvos abbauen und über Bord werfen müssen. 



Christians Vater erklärt sich glücklicherweise dazu bereit diese Teile zu entsorgen. Das Lenkrad ist nicht dabei, also fahren wir weiter nach Norden Richtung Flughafen Berlin. Um 10 Euro Parkgebühren zu sparen verlassen wir die Autobahn 10 Minuten vor der Abfahrt zum Flughafen und fahren auf einem Feldweg zu einer Mülldeponie. 



Es ist jetzt kurz nach 6 Uhr und niemand zu sehen der den Müll bewacht. Frank T läuft zuversichtlich auf eine Tür einer Lagerhalle zu, welche aber verschlossen ist. Nun macht sich doch etwas Nervosität breit und Frank T. Ruft die Nummer der Mülldeponie an. Es geht tatsächlich jemand ran und beteuert uns gleich abzuholen. 10 Minuten später rollt ein Minibus ein und der - nach eigenen Aussagen übermüdete - Fahrer zeigt uns eine sichere Stelle wo wir den Volvo parken dürfen. Er schaut uns an und vermutet wir wollen jagen gehen. Wir bestaetigen das und laden also die Rucksäcke um und fahren weiter zum Flughafen BER. 



Der erste Eindruck des sagen-umwobenen Flughafens ist nicht schlecht. Wir drucken die Bordkarten aus, geben die Rucksäcke ab und stellen uns in die Schlange zum Security Check. Der Körper-Scanner erfordert eine Pose  die einen Mix aus John Wayne und Christian Ronaldo kurz vor dem schiessen erfordert. „Zappeln sie doch nicht so!!“ 

Damit gewinne ich noch eine nachträgliche Massage durch einen Flughafen Mitarbeiter. Aber die Klamotten habe ich ja erst ein paar Stunden und nicht Tage an, also überstehen alle die Prozedur recht unbeschadet. 



Im Flughafen decken wir uns mit völlig überteuerten Kalorien ein und ich zusätzlich mit Husten -Tabletten, Taschentücher und Nasenspray. 



Halt alles was man so braucht um sich eine Woche durch die Wildnis zu schlagen. 




Irgendwie quetsche ich mich in den Sitz  im easyjet und hoffe den ganzen Flug die nette Dame vor mir bewegt ihren Sitz nicht nach hinten, denn meine Kniescheiben schmerzen fürchterlich. 




Der Anflug auf Stockholm ist besser als jede Achterbahnfahrt. Meine Nase läuft auf Hochtouren gut versteckt hinter der Maske. Während wir auf das Gepäck warten,  treffen wir ein deutsches Pärchen was uns eine Fahrgemeinschaft anbietet um Kosten beim Bus-Ticket zum Hauptbahnhof zu sparen. 






Wir entscheiden uns aber für den Shuttle Zug und finden nach einigen Suchen in Stockholmer Hauptbahnhof die Schließfächer für Reisegepäck. Mit viel Kraft passen gerade zwei Rucksäcke in ein großes Fach. Es zeigt sich dass die Deutschen Kreditkarten von Ralf und Frank T. nicht funktionieren und auch Christian’s Karte nicht akzeptiert wird. Mit der in meinen Telefon hinterlegten Karte geht es aber und so sind wir bereit Stockholm zu erkunden bis unser Zug heute Abend nach Narvik los fährt.


Da Stockholm berühmt ist für seine Orangenbäume kaufen wir uns den teuersten frisch gepressten Orangensaft aller Zeiten und schlendern durch die Innenstadt. 





Ich kämpfe mich fleißig durch die Tempo Taschentücher. zu den zweifeln ob ich in meinen Zustand wirklich den Kungsleden wandern kann, kommen jetzt noch Bedenken ob ich den Spaziergang durch Stockholm überstehe. 











Da wir alle Hunger haben tanken wir Kraft bei einem verspäteten Mittagessen und laufen dann langsam zum Bahnhof zurück. Wir finden einen Lebensmittel laden im Bahnhof. Ich kaufe ein paar Äpfel, Bananen und Cidre und bekomme das Zeug kaum noch in meinen Rucksack gestopft. Das Parken der Rucksäcke kostet zu unserer Überraschung nicht 6.40 Euro pro Tag sondern pro Stunde! 


Irgendwann kommt der Zug eingefahren und wir beziehen unser Abteil. Man erkennt irgendwie erst beim zweiten Mal hinschauen dass es ein Schlafwagen ist. Das Bettzeug liegt oben auf der oberste Pritsche. Die mittlere liege ist eingeklappt und die untere sieht aus wir ein Normales Sitz-Abteil.  Es ist echt eng mit den vier großen Rucksäcken und wir hoffen sehr, dass die sechs Plätze nur unter uns vieren verteilt werden müssen. 






Eine Dusche finden wir zumindest in unseren und den anliegenden Waggons nicht, aber immerhin eine Toilette welche die ganze Fahrt in einem eigentlich zumutbaren Zustand bleibt. Wir finden eine Leiter und knacken das Rätsel der mittleren Liegen und verwandeln das Abteil nun wirklich in ein Schlafwagen-Abteil. Die lange Fahrt ermöglicht mir nun immerhin mich noch etwas zu erholen. Ich fülle weiter Taschentücher, Gurgel aber nochmal mit Salzlösung und lutsche ein paar von den Halstabletten, welche ich am Berliner Flughafen noch kaufen konnten. Die Luft im Abteil ist besonders oben recht dick und in Kombination mit der Maske nahezu unerträglich.  Aber ich versuche sie weiter zu tragen damit ich die Kollegen nicht auf die letzten Meter auch noch anstecke falls ich mir doch von Melanie Covid geholt habe.

Die Zugfahrt ist eigentlich ganz nett, auch wenn zunächst nix spannendes passiert außer dass es einfach nicht mehr dunkel werden will und man so langsam das Zeitgefühl verliert. 

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