(2) Anreisetag 2 von 2



Kurz vor Boden, schon recht weit im Norden Schwedens, steht der Zug ziemlich lange und wir  erfahren über mehrere Durchsagen, dass es zu einer Verzögerung wegen eines Oberleitungsschadens kommt.








Ralf zeigt uns seine Gurke. 


Irgendwann ist klar dass wir umsteigen müssen und so verlieren wir unser kleines, aber privates Abteil und bekommen einen Sitzplatz in einem anderen Zug und kommen statt 11 Uhr am Samstag kurz vor 17 Uhr in Abisko, also mit 6 Stunden Verspätung an.




Die verlorene Zeit fühlt sich für mich wie ein Gewinn an, denn ich habe das Gefühl ich habe das Tal meines Wohlbefindens schon wieder verlassen. Tapfer warte ich auf das Ergebnis meines letzten Covid Schnelltest. Es sieht so aus als hätte ich Glück gehabt und mir tatsächlich nur eine Erkältung eingefangen und damit auch niemanden angesteckt.





Das obligatorische "Vorher-Bild"

Es geht also wirklich los. Fast 37 Stunden nachdem Ralf uns abgeholt hat. Wir schnüren nochmal die Stiefel und  die Rucksäcke um. Wir kommen nicht weit und machen die ersten Fotos. Es regnet noch nicht, ist nicht zu warm und nicht zu kalt. Perfekt um zu wandern. Es dauert nicht lange und wir sammeln die ersten Mückenstiche ein. Der Weg geht durch den Abisko Nationalpark entlang eines Flusses der sich mal ruhig und mal geballt nach Norden strömt.




 Eigentlich waren heute 15 km geplant, die wir aber wegen der 6 Stunden Verspätung wohl nicht schaffen werden. Beim Fotografieren flüchtet beinahe einer meiner Wanderstöcke in den Fluss, aber irgendwie schaffe ich es noch auf die Spitze zu treten bevor er den Hang hinunter rutscht.



Die erste Pause machen wir an einem outhouse in einem kleinen Wäldchen. Schon hier zeigt sich der Moskito-Effekt: egal wie erledigt man ist, man will immer weiter laufen, da die Mücken nichts zu verlieren haben und sich wie ein paar hungrige Zombies auf den armen Wanderer stürzen. 











Also geht es weiter Richtung Abiskojaure, unseren heutigem Etappenziel. Wir treffen auf die ersten Wanderer, welche bereits ihre Hotelzimmer aufgebaut haben. Nach etwas mehr als 12 km finden wir eine gute Stelle für die vier Zelte. Damit haben wir die geplanten 15km nicht ganz geschafft, können aber außerhalb der Bäume zelten welche sich langsam verdichten und damit den Blutsaugern mehr Deckung bieten. 



Lecker Pasta aus der Tuete 









Es ist jetzt 21 Uhr und kaum dunkler geworden. Fließend Wasser gibt es gleich in der Nähe bei einem kleinen Bach. Das wären Wasser ist gerade kaputt. Zum Glück haben wir in Stockholm das letzte russische Gas und ein paar chinesische Feuerzeuge gekauft  und so wird auch bald das erste Abendbrot angerührt. Ich wähle Pasta vom Menü . Eine sehr gute Wahl! Eigentlich vegetarisch, aber schon nach einem Mal umrühren sind mehr Mücken als Nudeln in der Tüte. 



Geduscht wird mit Feuchttüchern. Im Zelt macht sich ein lieblicher Duft aus Aloe Vera, Kamille und gut getragene Socken breit.


Dank der Mücken bleiben wir auch nicht lange draußen, obwohl Christian eigentlich noch zu einer Party in Abiskojaure gehen wollte. Mein Zimmer hat See-Blick, mein Bett ist auch schon gemacht und nun beginnt eine 9 Stunden lange Turnübung, bei der ich versuche auf der Matratze zu bleiben. Die neue aufblasbare Matratze ist das erste mal im Einsatz. Ich habe das Ding vermutlich etwas zu aggressiv aufgepumpt, mein Kopf hängt vorne runter, meine Beine hinten. Ich stricke mir schnell ein Kopfkissen aus dem Beutel mit meiner trockennahrung und muss irgendwann vor Erschöpfung vom ständigen umPositionieren eingeschlafen sein. Plötzlich wache ich auf. Die Sonne scheint mir durch die Zellwand voll ins Gesicht. Mal sehen wie spät es ist: 0:12 Uhr. Zum Glück habe ich meine Mütze dabei, die ziehe ich mir jetzt so tief es geht über die Augen und es wird wieder dunkel. Die Sonne geht noch vier oder fünf mal diese Nacht wieder auf, aber meine Mütze vertreibt sie wieder. Ich erreiche gegen 2:30 fast eine Art Tiefschlaf Phase, als ich durch ein kleines Erdbeben Geweckt werde. Mein Kopf und und meine Beine schnellen synchron nach oben Richtung Hotelzimmerdecke. Trotz Ohrstöpsel glaube ich einen kleinen Knall gehört zu haben. Ich schiebe die Mütze hoch und eine erste Selbstdiagnose zeigt, das meine Matratze weg ist. Außerdem scheine ich aus dem Hotel Bett gefallen zu sein, den ich fühle ein paar Steine in meinen Rücken. Nachdem sich meine Augen an das grelle Licht gewöhnt haben, erkenne ich, das die Luft aus der neuen Matratze raus ist. Gleich in der erste Nacht kaputt gegangen? Bitte nicht! Ich rutsche im Schlafsack noch weiter zur Seite und sehe das der Stöpsel der Matratze raus ist. Mir ist nicht ganz klar, ob ich ihn beim Versuch auf der Matratze zu bleiben selber im Schlaf rausgezogen habe oder ein Versuch die Balance zu halten zu viel Druck ausgeübt hat und es zu einer spontanen Sicherheitsevakuierung zur Vorbeugung meiner Tiefschlaf Phase gekommen ist. Wie auch immer, ich bin erleichtert dass sich das Ding noch aufblasen lässt und verbringe den Rest der Nacht glücklich weiter damit, mir die Mütze ins Gesicht zu ziehen und auf der Matratze zu bleiben.


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