(3) Nach Alesjaure (23km, 35 gesamt)

Völlig erholt krieche ich gegen 7:30 aus meinem Hotelzimmer. Natürlich knurrt mein Magen. Ein Blick ins Restaurant Menu zeigt dass es heute Haferschleim mit Spuren von getrockneten Himbeeren gibt. 



Der Kocher zischt und verdampft neben dem frisch gezapften Bach-Wasser auch gleich ein paar Blutsauger. Es scheint nicht geregnet zu haben, das Hotelzimmer ist aber von innen feucht geworden. Deshalb hänge ich es kunstvoll über eine kleine Birke in der Nähe.




Die anderen drei Elitekämpfer sind nun auch wach. Christian ist sogar so verrückt halb nackt bis zum See zu laufen und zu duschen.




Gestärkt  und völlig erholt gehen wir die zweite Etappe an. Ralf murmelt irgendwas davon dass das ein Riesen Irrtum war. Wir denken er genießt sicher seinen Urlaub. Er hat als einziger auf anderes Material gesetzt und kein mückennetz dabei, statt dessen versucht er die Blutsauger mit einer Flasche Autan abzuschrecken, welche er ja auch schon 2014 in Vietnam im Einsatz hatte. Das scheint eine gute Entscheidung gewesen zu sein. Er hat jetzt deutlich mehr Nasen im Gesicht als gestern und kann die frische Luft die wir bereits jetzt hier verbreiten viel besser genießen.





Wir laufen weiter, lassen den See und das birkenwäldchen hinter uns, tanken nochmal Kühlwasser nach und stampfen das erste mal eine längere Strecke einen Hang hinauf. Der Blick auf den Pyramiden-förmigen Berg ist toll. Wir machen immer wieder Photos und treffen auf einen Vater mit kleinen Sohn, der vielleicht 9 Jahre alt ist. Der Sohn, nicht der Vater.  



Mal schauen, wie gut die Wanderer heute noch drauf sind:












Noch näher am Berg helfen wir einer Flensburgerin, welche gerade in Kopenhagen lebt, zu einem besseren Foto und bekommen im Gegenzug auch eins von uns Vieren zusammen. Das Mädel ist nicht wirklich gesprächig und so überholen wir sie und sie uns die nächsten Stunden einige Male ohne größere Konversationen. Auch den Vater mit Sohn sehen wir nun öfter mal. Weiter oben auf dem Plateau steigen die Mückenstiche pro Minute von übel auf extrem. Dementsprechend steigt unsere Wander-Geschwindigkeit. Wir treffen jetzt auch zwei ältere Amerikaner, beide aus der Gegend um Washington DC. Die sind lustig und trotz der Mücken gut drauf. Zum Mittag bin ich allein an meinen Restaurant-Tisch, die anderen wollen nur Nüsse oder Riegel knapperen. Ich bestehe aber auf meine 1000 Kalorien aus der Tüte und mache Christian’s Rucksack leichter indem ich ihn sein restliches Wasser klaue. Davon gibt es hier gerade wenig, zumindest nicht unten, oben am Himmel dagegen sieht es aus, also ob bald für Nachschub gesorgt wird.




















 Gerade als wir den Alisjavri See erreichen dreht jemand so richtig ordentlich die Dusche auf. Wir haben Glück, genau zu diesem Zeitpunkt erreichen wir die Fährstation, an welcher man einige Kilometer Wanderung einsparen und sich von einem lokalen Samibewohner zur nächsten Hütte fahren lassen kann. Was wir natürlich nicht machen, die kleine, offene Hütte zum Unterstellen beziehen wir aber gern für eine Stunde genau wie einige andere Wanderer. Auch der Vater und sein Sohn haben wieder zu uns aufgeschlossen. 



















Irgendwann scheint der Regen etwas nach zu lassen. Uns wird sowieso langsam kalt und so packen wir wieder zusammen und laufen weiter. Gegen 19 Uhr erreichen wir die Hütten der nächsten Fjällstation und finden nach einigen suchen ein paar Platze für unser Zelt außerhalb der Station. Der Vater mit Sohn kommt auch hier ab und gratuliert uns das wir nicht geschummelt haben und auf die Fähre verzichtet haben. Erst kurz nach 20 Uhr sind die Zelte aufgebaut und das Abendrot hinunter geschlungen. Trotz leichten Wind wollen uns die Moskitos einfach nicht in Ruhe essen lassen. Die beste Technik scheint zu sein, sich entweder auf einen Stein zu stellen um etwas höher zu kommen oder im Laufen zu essen. 





Spaeter laufen wir zu den Hütten rüber um deren Toiletten zu benutzen und zu schauen ob es was zu anderes als Tuetensuppe zu essen gibt. Die Amerikaner hatten uns was von Bier erzählt und so hoffen wir hier ein Bier zu bekommen.

Leider hat die mit „Proviant“ bezeichnet Hütte schon zu. Zumindest ist kein Licht zu sehen. Die Öffnungszeit sind leider nur von 8-8 Uhr.

Ich glaube eine Person hinter einem der Fenster zu sehen und probiere einfach mal die Türklinke. Die Tür geht auf. Erst jetzt fängt ein Hund an zu bellen. Die etwas aeltere Dame will uns wohl erst wieder weg schicken, denn sie fragt ob wir lesen koennen und zeigt auf ein Schild wo steht dass nur bis 20 Uhr offen ist. Wir muessen aber wohl doch schon ganz schoen mitgenommen aussehen und erwecken endlich ihr Mitleid. Sie schliesst also den Laden auf und wir entdecken extrem wichtige Grundnahrungsmittel wie Kekse, Cola und Bier. Eine Dose kostet 3 Euro, was uns Angesichts des Breitengrads als voellig vernuenftig erscheint. Spaeter erfahren wir, dass das Zeug im Winter auf Schneemobilen hier in die Wildnis gebracht wird.





Wir beschliesen den Tag mit der ueblichen Routine: Wasser holen (heute etwas weiter zu laufen), Tuetensuppe anruehren und Muecken fuettern.






Leider sieht man nur noch die mutigsten 10% der Muecken auf Ralfs Kopf, die anderen hatten Angst vor den Filmaufnahmen.


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