(4) Nach Saelka - 26 km (63.1km gesamt)

Es riecht nach frischen Broetchen. Ein grosses Glass Orangensaft steht neben dem Teller auf dem ein grosses Croisant liegt. Ein kleine Schuessel mit frischen Obst gleich dahinter. Mir laeuft das Wasser im Mund zusammen, ich freue mich richtig darauf die Erdbeermarmelade zu probieren. Ploetzlich laesst mich ein kleiner kurzer Schmerz auf meiner Wange zusammenzucken. Ich merke wie ich mir automatisch mit der Handflaeche auf die schmerzende Stelle schlage. Ich muss kurz blinzeln, irgendetwas stimmt nicht. Ich sitze nicht mehr am Fruehstueckstisch, das Croissant ist auch weg. Statt dessen sehe ich das hier:




Oh ja, wir machen ja Urlaub in Schweden. Ich muss wohl in einen Tagtraum gedrifftet sein, waehrend ich mit dem Loeffel in meiner Tuete rumgeruehert habe. Das Fruehstueck ist eigentlich meine Lieblingsmahlzeit! Ok, zusammen mit dem Mittag, dem Abendbrot und dem nachmittaglichen Kuchen essen. Aber das hier ist geschmacklich erstaunlich gut, aber extrem wenig. Mit naechsten Tuete habe ich etwas mehr Glueck, zumindest ist mehr drin.



Um 6 Uhr krieche ich aus dem Zelt. Es hat die Nacht dann doch nicht geregnet, wir haben also wieder Glueck und koennen im trockenen Fruehstuecken und auch im trockenene das Zelt abbauen. Unser Zeltplatz ist in Sichtweite der Huetten, und damit kann man sich auch den Luxus goennen von den Toiletten gebrauch zu machen und muss nicht mit einer Hand das Klopaper bedienen waehrend man mit der anderen Hand versucht die Blutsauger von seinen intimen Bereichen zu verjagen.






Ein Blick auf die doch dicken Wolken veranlasst uns beim Abbauen und Packen etwas mehr Gas zu geben und dadurch sind wir relative schnell fertig und gehen gespannt die naechste Etappe an. Heute stehen ca. 25 km an, die vermeindliche Koenigsettape, wobei wir uns weiter unschluessig sind, ob wir denn nun wie geplant nach Sueden laufen oder morgen Richtung Kebnekaise abbiegen sollten. Die Informationen zur Wetterlage sind genauso durcheinander wie der Inhalt meines Ruckacks, der nun wieder ordentlich auf meine Schultern drueckt. Ich unternehme noch ein paar hilflose Versuche das Gewicht auf meinen Hueftgurt zu verlagern. Leider muss ich bei meinen Beinen grundsaetzlich Hosen kaufen, welche irgendwie immer nur in der Laenge passen, wenn der Bauchumfang mindestens dem von Homer Simpson nah kommt. Der Hueftgurt drueckt also meistens schoen auf den Guertel und der scheuert dann fleissig blaue Flecken auf und klemmt die Haut schoen ein. 

Wir gehen nochmal in den Proviant Store und tragen uns in das Gaestebuch ein:



Wir laufen also wieder zu den Huetten hoch und haben einen tollen ersten Blick auf das naechste Tal.


 Wir sehen nun auch dass die meisten anderen Wanderer auf dieser Seite ihr Zelt aufgeschlagen haben und auch warum: der Blick ist einfach wunderschoen und die Berge spiegeln sich im See.








In unseren Koepfen steckt immernoch das schreckliche Bild von gestern, als ein voellig verwahrloster Typ in Mr. Whites Unterwaesche aus einer der Toilettenhaeusschen sprang. Doch jetzt als wir ueber die Bruecke laufen kommt noch eins dazu, was uns mindestens noch den Rest des Tages nicht loslassen will: zwei junge Wanderinnen, haben wahrscheinlich nur darauf gewartet das jemand uber die Bruecke kommt und steigen nackt in das sicher nich ganz warme Wasser um sich zu waschen. An sich ja keine schlechte Idee, eine der Beiden steht aber nur knapp unter der Leistengegend im See, geht genau jetzt breitbeinig in die Knie und zieht einmal paar mal vor und zurueck durch. Ich bin jetzt wirklich froh, dass wir das Wasser zum kochen nicht von hier geholt haben! 




Wir wollten heute eigentlich mit viel Schwung in die lange Etappe gehen, aber das vor uns liegende Tal ist einfach zu schoen und so fuellen wir erstmal die Speicherkarten.


mal sehen wie die Gesichter heute morgen aussehen: 

Christian ist bereit

Ralf sieht irgendwie gluecklich aus: es ist eines der wenigen Bilder von ihm, wo man nicht mindestens 10 Muecken in seinen Gesicht saugen sieht.

Frank plant irgendwas

Frank W. ist noch geschockt von der Bruecke

Jetzt mal ein paar Bilder - und ich musste mich zwingen auszusortieren weil es so viele schoene waren (ich glaub allein von Christian und mir ueber 400 von diesem Tag)





Ralf auf dem Cover des naechsten Outdoor Magazine





Da kriegt man doch gleich Hunger. Sieht aus wie ein kleiner Greifvogel, ist aber wohl doch was anderes. Zumindest sah das vermutliche Muttertier in der Naehe nicht nach Greifvogel aus.


so langsam geht es hoeher hinauf.














Christian verteilt Schmerzmittel an einen Wanderer, der sich irgend ein Band gerissen haben muss, scheinbar ohne das er umgeknickt oder gestolpert waere.














Ralf hat es halbwegs trocken ueber den Bach geschafft. Die Anstrengung der letzten Tage treibt ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn.







Frank T. entdeckt Rentiere auf einem Schneefeld

mit groestmoeglicher Vergroesserung der Kamera kann auch ich sie verschwommen erkennen. Koennten auch Steine sein?



weiter zum Pass hinauf

das muss der letzte Anstieg sein



auf dem Pass mit Blick hinab in das naechste Tal


Ralf geniesst seinen Urlaub


die heute erstandene Coladose liegt im Kuehlschrank. Christian und ich hatten uns vorgenommen die 330g Extragewicht bis zum Pass zu tragen. 


Pause vor dem Abstieg



da koennte auch Meditationstal dran stehen



und weiter gehts. Die Sonne steht jetzt schon recht tief und wirft ordentlich Schatten in das Tal

Ralf hat die Pause gut getan, der lacht schon wieder




Stau

so langsam sind wir erledigt und halten sehnsuechtig nach den Huetten von Saelka ausschau. Aber der Marsch durch das Tal zieht sich weiter hin.


wir hoffen insgeheim nicht zu spaet bei den Huetten anzukommen um vielleicht noch ein Bier kaufen zu koennen, falls es denn uberhaupt welches gibt.



geschafft. Nun schnell schauen ob noch jemand "Proviant" verkauft. 



Wir haben Glueck. Wir treffen noch jemanden an. Ein alter Mann spricht sogar ein paar Brocken deutsch und fragt uns wo wir genau herkommen. Er kennt natuerlich Dresden und will demnaechst auch nach Sachsen und Thueringen, hauptsaechlich nach Weimar. Er ist sichtlich froh mit jemanden reden zu koennen und wir versuchen seiner Geschichte zu folgen, und die geht ungefaehr so: die Mutter seiner Schwester spricht Daenisch und Schwedisch, obwohl sie aus Norwegen kommt und dort mit dem Cousin seiner Tante, welche nur Norwegisch spricht, lebte, bevor dieser von Schweden nach Daenemark umzog. Und deshalb Finisch nicht versteht. Christian und ich gucken uns fragend an und nicken dem alten Mann aber weiter zustimmend zu. Auf unsere Frage ob wir denn ein Bier kaufen koennen, macht die alte Frau ohne ein Wort zu sagen den Kuehlschrank auf und schaut uns an, als haette sie gerade die Tuer zum Tresor der Goldreserven der Bundesbank geoeffnet.

fast wie zuhause



Die Mueckendichte hat nochmal zugenommen! Wir versuchen das Abendbrot im Laufen einzuschaufeln, auf Erhoehungen und versuchen es auf der Bruecke. Es bleibt ein Kampf. Morgen werden wir uns an den Huetten nochmal den aktuellen Wetterbereicht geben lassen und dann entscheiden ob es sich lohnt Richtung Kebnekaise zu laufen und den Aufstieg zum hoechsten Berg Shwedens zu wagen oder doch wie urspruenglich geplant weiter im Tal nach Sueden zu laufen.






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