Es riecht nach frischen Broetchen. Ein grosses Glass Orangensaft steht neben dem Teller auf dem ein grosses Croisant liegt. Ein kleine Schuessel mit frischen Obst gleich dahinter. Mir laeuft das Wasser im Mund zusammen, ich freue mich richtig darauf die Erdbeermarmelade zu probieren. Ploetzlich laesst mich ein kleiner kurzer Schmerz auf meiner Wange zusammenzucken. Ich merke wie ich mir automatisch mit der Handflaeche auf die schmerzende Stelle schlage. Ich muss kurz blinzeln, irgendetwas stimmt nicht. Ich sitze nicht mehr am Fruehstueckstisch, das Croissant ist auch weg. Statt dessen sehe ich das hier:
Oh ja, wir machen ja Urlaub in Schweden. Ich muss wohl in einen Tagtraum gedrifftet sein, waehrend ich mit dem Loeffel in meiner Tuete rumgeruehert habe. Das Fruehstueck ist eigentlich meine Lieblingsmahlzeit! Ok, zusammen mit dem Mittag, dem Abendbrot und dem nachmittaglichen Kuchen essen. Aber das hier ist geschmacklich erstaunlich gut, aber extrem wenig. Mit naechsten Tuete habe ich etwas mehr Glueck, zumindest ist mehr drin.
Um 6 Uhr krieche ich aus dem Zelt. Es hat die Nacht dann doch nicht geregnet, wir haben also wieder Glueck und koennen im trockenen Fruehstuecken und auch im trockenene das Zelt abbauen. Unser Zeltplatz ist in Sichtweite der Huetten, und damit kann man sich auch den Luxus goennen von den Toiletten gebrauch zu machen und muss nicht mit einer Hand das Klopaper bedienen waehrend man mit der anderen Hand versucht die Blutsauger von seinen intimen Bereichen zu verjagen.
Ein Blick auf die doch dicken Wolken veranlasst uns beim Abbauen und Packen etwas mehr Gas zu geben und dadurch sind wir relative schnell fertig und gehen gespannt die naechste Etappe an. Heute stehen ca. 25 km an, die vermeindliche Koenigsettape, wobei wir uns weiter unschluessig sind, ob wir denn nun wie geplant nach Sueden laufen oder morgen Richtung Kebnekaise abbiegen sollten. Die Informationen zur Wetterlage sind genauso durcheinander wie der Inhalt meines Ruckacks, der nun wieder ordentlich auf meine Schultern drueckt. Ich unternehme noch ein paar hilflose Versuche das Gewicht auf meinen Hueftgurt zu verlagern. Leider muss ich bei meinen Beinen grundsaetzlich Hosen kaufen, welche irgendwie immer nur in der Laenge passen, wenn der Bauchumfang mindestens dem von Homer Simpson nah kommt. Der Hueftgurt drueckt also meistens schoen auf den Guertel und der scheuert dann fleissig blaue Flecken auf und klemmt die Haut schoen ein.
Wir gehen nochmal in den Proviant Store und tragen uns in das Gaestebuch ein:
Wir laufen also wieder zu den Huetten hoch und haben einen tollen ersten Blick auf das naechste Tal.
Wir sehen nun auch dass die meisten anderen Wanderer auf dieser Seite ihr Zelt aufgeschlagen haben und auch warum: der Blick ist einfach wunderschoen und die Berge spiegeln sich im See.
In unseren Koepfen steckt immernoch das schreckliche Bild von gestern, als ein voellig verwahrloster Typ in Mr. Whites Unterwaesche aus einer der Toilettenhaeusschen sprang. Doch jetzt als wir ueber die Bruecke laufen kommt noch eins dazu, was uns mindestens noch den Rest des Tages nicht loslassen will: zwei junge Wanderinnen, haben wahrscheinlich nur darauf gewartet das jemand uber die Bruecke kommt und steigen nackt in das sicher nich ganz warme Wasser um sich zu waschen. An sich ja keine schlechte Idee, eine der Beiden steht aber nur knapp unter der Leistengegend im See, geht genau jetzt breitbeinig in die Knie und zieht einmal paar mal vor und zurueck durch. Ich bin jetzt wirklich froh, dass wir das Wasser zum kochen nicht von hier geholt haben!
Frank W. ist noch geschockt von der Bruecke
Pause vor dem Abstieg
geschafft. Nun schnell schauen ob noch jemand "Proviant" verkauft.
Wir haben Glueck. Wir treffen noch jemanden an. Ein alter Mann spricht sogar ein paar Brocken deutsch und fragt uns wo wir genau herkommen. Er kennt natuerlich Dresden und will demnaechst auch nach Sachsen und Thueringen, hauptsaechlich nach Weimar. Er ist sichtlich froh mit jemanden reden zu koennen und wir versuchen seiner Geschichte zu folgen, und die geht ungefaehr so: die Mutter seiner Schwester spricht Daenisch und Schwedisch, obwohl sie aus Norwegen kommt und dort mit dem Cousin seiner Tante, welche nur Norwegisch spricht, lebte, bevor dieser von Schweden nach Daenemark umzog. Und deshalb Finisch nicht versteht. Christian und ich gucken uns fragend an und nicken dem alten Mann aber weiter zustimmend zu. Auf unsere Frage ob wir denn ein Bier kaufen koennen, macht die alte Frau ohne ein Wort zu sagen den Kuehlschrank auf und schaut uns an, als haette sie gerade die Tuer zum Tresor der Goldreserven der Bundesbank geoeffnet.
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