(6) Auf den Kebnekaise - 18.6km (107km gesamt)

Heute wollen wir es also versuchen: den Aufstieg zum Kebnekaise, dem hoechsten Berg Schwedens. Der Gipfel ist zwar nur etwa 2096m hoch, liegt aber noerdlich des Polarkreises und die Bergstation liegt bei etwa 706m Hoehe. Genau da haben wir nun uebernachtet und - wie zu befuerchten und angekuendugt war - hat genau jetzt ein Wetterwechsel stattgefunden. Statt Sonne und Muecken gibt es ab jetzt Regen und Muecken. Immerhin hat es erstmal nur kurz geregnet und als wir aus den Zelten kriechen, ist es zwar bedeckt aber trocken.







Wir planen mit minimalen Gepaeck zu wandern, essen nochmal ordentlich Fruehstuck, holen uns den aktuellsten Wetterbericht und nochmal frisches Wasser. Die Karte an der Bergstation sagt, es sind 9 km bis zum Suedtoppen, der aktuell noch hoechste Punkt des Berges, der wohl bald wieder vom Nordtoppen abgeloesst wird, da auf dem Suedgipfel das Eis auf dem Rueckmarsch ist und der Nordgipfel einen hoeheren Felskern besitzt. 







Ralf schmeisst sich den Schichtbeutel um und wir marschieren wieder zurueck in die Richtung, aus der wir gestern noch bei tollstem Wetter gewandert sind, halten uns aber weiter noerdlich auf dem Wanderweg zum Berg.  






Es geht eigentlich schon ordentlich hoch und ich frage einen entgegenkommenden Wanderer ob es noch weit ist und wie steil es noch wird, mit der vagen Hoffnung, dass er sagt, dass das hier das schlimmste Stueck waere. Den gefallen tut er mir aber nicht und erwaehnt dass es drei steile Ettappen gibt.






Ralf geniesst seinen Urlaub

Wir ueberholen eine Mutter mit zwei recht kleinen Kindern, vielleicht 5 und 7 plus einem Welpen und staunen dass die so weit gekommen sind. Ich frag mich ob ich mich das alleine trauen wuerde mit zwei kleinen Kindern. Aber das hier ist Schweden, wahrscheinlich sind die hier alle so verrueckt drauf.


leider wird das Wetter eher schlechter. Irgendwo da oben durch den Nebel muessen wir noch. Wir sind jetzt etwa 400m Hoeher als beim Start, d.h. da warten nochmal 1000 Hoehenmeter auf uns.

erstmal fein Fruehstuecken. Es gibt frische Croissants und Erdbeeren.





Jetzt wird uns warm, und das nicht wegen dem Wetter. Der Weg ist schon extrem steil und das Geroell noch dazu sehr locker, so dass man bei jedem Tritt aufpassen muss.


wir halten unsere Geschwindigkeit halbwegs und holen immer mehr andere Wanderer ein.


Die Aussicht auf Aussicht haben wir langsam begraben, jetzt gilt es nur noch durchzuhalten.



 
Wir treffen auf einen Peruaner der Musikhoerend alleine den Berg runter gestapft kommt. Ich frage ihn wie es war und wie weit es noch ist. Er erzaehlt dass er gestern Abend losgelaufen ist, die meiste Zeit nur Nebel hatte aber am Gipfel glueck hatte dass die Wolken sich aufloessten. Er meinte er war schoen oefter hier oben (5x?) und dass er Traenen in den Augen hatte als er den Anblick heute frueh vom Gipfel sehen durfte. Er meinte er kann uns nur den Tipp geben einfach immer konstant weiter zu laufen, keine laengeren Pausen machen auch nicht zu viel zu trinken und zu denken, einfach laufen. Wenn man zu viel nachdenkt wuerde man es nicht schaffen. Ausserdem wuerden die meisten Leute am Kaffedalen aufgeben, weil man den krassen ersten Anstieg in den Beinen hat und dann sieht, dass man jetzt wieder runter muss, um die gleiche Distanz auf der anderen Seite des Tals wieder hoch zu muessen. Wir sind genug motiviert und marschieren weiter. 




Fast den ersten straffen Anstieg geschafft. Oder ist es der Zweite? oder der Dritte?

Wir sind jetzt auf knapp 1.700m und muessten bald den deprimierenden Blick auf das Kaffedalen zu sehen bekommen. 


Bis hier hin sind wir ohne Verletzung durch gekommen und alle sehen noch halbwegs fit aus.





Im Kaffedalen


Da kommen Ralf und Frank T. Wir sind wieder runter auf etwa 1500. Nach einer kurzen Pause quaelen wir uns auf der anderen Seite des Tals wieder hinauf. So langsam hat man das Gefuehl das es reicht. Zum Glueck wissen wir nicht was noch vor uns liegt und laufen einfach weiter. der Anstieg ist aehnlich uebel wie vorher, extrem steil und lockeres Geroell. Man muss aufpassen das man seinem Nachfolger keine Felsbrocken entgegenschickt, gleichzeitig die Balanze halten wenn ein Tritt mal keine halt findet. Ich mache keine Bilder mehr um nicht aus dem Rythmus zu kommen oder Kraft zu verschenken, laufe wie die anderen ab jetzt mein eigenes Tempo und hoffe dass nicht irgendwann der erste Krampf kommt. Jetzt ist einfach nur noch durchhalten angesagt. Das Wetter ist immernoch schlecht, nebelig aber noch kein richtiger Regen. Es koennte also schlimmer sein. Irgendwann kommen einem Leute entgegen, welche mich aufmuntern oder sogar schon gratulieren. Ich frage also wie weit es noch ist, da sagen die "Na, vielleicht noch eine Stunde". Na super! Weiterlaufen. Irgendwo hinter mir glaube ich Christian zu sehen. Er dreht entweder um oder macht ein Foto. Frank T. und Ralf sehe ich nicht mehr. Egal, ich hab das Gefuehl heute koerperlich halbwegs gut drauf zu sein. Aber das dachte ich am Mount St. Helens auch und hatte dann doch Kraempfe eine halbe Stunde vor dem Gipfel. Also nicht stehen bleiben und auskuehlen, weiterlaufen. Wieder gratuliert mir jemand und erzaehlt mir, dass sie mir empfehlen kann auf dem Rueckweg vom Gipfel mich auf meine Jacke zu setzten und zu rodeln, das waere so viel Spass. Ich sehe nur Steine hier und frage nochmal wie weit es noch ist. "Etwa 30 minuten". Weiterlaufen. Christian sehe ich jetzt nicht mehr. Ich hoffe er ist nicht umgekehrt. Ich komme an einer eingefallenen Sturmhuette vorbei. d.h. so sehr weit kann es nicht mehr sein.


Ein Schneefeld. Ganz in der Ferne kann man auf dem Foto den Suedgipfel sehen. Das ging aber erst nach der Nachbearbeitung. In echt konnte ich den Gipfel nicht sehen und wirklich nichts ausser Schnee und Nebel. Tatsaechlich war es jetzt nicht mehr weit bis zum Gipfel. Zwei Leute kamen mir entgegen und meinten ich soll vorsichtig sein, der Gipfel waere extrem eng und der Schnee rutschig. Christian taucht ploetzlich aus dem Nebel auf. Wir haben es geschafft, wir sind nach knapp 5h oben angekommen. 


eine gruppe von drei Leuten kommt nach uns an. Ein Vater mit seinen beiden Toechtern. Der Vater rutscht direkt vor mir aus und faellt auf dem engen Gipfel hin. Ich trau mich kaum hier oben rum zu laufen und frage mich in welche Richtung man hier eigentlich rodeln will.




Snicker-Time!

Wir bleiben nicht zu lange und laufen zurueck. Wir haben noch nicht ganz das Schneefeld am Fuss des Gipfels erreicht, da kommen wieder drei Leute und zwei davon kommen uns bekannt vor: Ralf und Frank T. die dritte Person ist das Maedchen welches gestern in unserer Naehe Mittagspause gemacht hatte und wir ihre Nationalitaet erraten wollten. Sie darf also gleich unser Gruppenfoto machen:


Geschafft! Vier Mueckenjaeger auf dem Kebnekaise! Der Anblick treibt uns eher keine Traenen in die Augen, hoechstens die schmerzenden Knie.


wir tasten uns zurueck und da ich selbst in Lebensgefahr immer noch Gentlemen sein will, verborge ich einen meiner Stoecke an Veronica aus Italien, damit sie nicht den falschen Hang hinunter rodelt.


Eichhoernchen! Wir erfahren dass sie aus der Naehe von Mailand ist, ihr Auto in Stockholm stehen lassen hat und alleine 6 Wochen durch Skandinavien wandert ohne oeffentliche Verkehrmittel zu benutzen. Sie hat sich wohl mit Deutschen ein Zimmer geteilt und erzaehlt dass die ihr deutsch mit Hilfe eines Kinderbuches beigebracht haben. Das hiess wohl: "Du schaffst das, Eichhoernchen!" WIr tragen uns mit ihr noch in das Gipfelbuch in der neueren Sturmhuette ein, bleiben aber nicht lange weil die Luft darin schlecht und kaum noch Platz ist."  





Eichhoernchen klettert jetzt wieder ohne meinen Stock und so kann ich wieder beide Knie entlasten.



jetzt, wo wir wieder beim Abstieg sind, scheint das Wetter natuerlich besser zu werden. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir jetzt so 5h spaeter die Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern und dem kleinen Hund hier hoch kommen sehen. Die haben keine groesseren Rucksaecke dabei und wir fragen uns ob die echt noch bis ganz hoch wollen. Dachten wir vorhin noch dass die Tapfer sind, denken wir jetzt die Mutter ist verrueckt.

Blick zurueck.


wieder durch das Kaffedalen zurueck auf dem Zwischengipfel. Ralf und Frank T. sind noch nicht zu sehen und so nutzen wir das halbwegs vernuenftige Wetter um Fotos zu machen.


Finde Christian!






Ein Stueck Gletscher ist jetzt zu sehen. und irgendwo da hinten stehen unsere Zelte.








wieder runter. jetzt geht es doch schneller voran. 







fast geschafft. Jetzt kommt nur noch das Auslaufen zurueck zur Fjellstation.




Als wir fast zurueck sind kommt ein Hubschrauber das Tal entlang geflogen und er scheint am Eingang des Tals mit dem Aufstieg nicht weiter fliegen zu koennen oder zu wollen. Vielleicht ein Rettungseinsatz und das Wetter ist zu schlecht?

Ralf die Antilope! Unglaublich wie er das macht. Wir schaffen es trocken ins Zelt zurueck und schlafen den Schlaf der Sieger. Irgendwann faengt es an zu regnen, aber mein Zelt bleibt drinen trocken. Fuer morgen muessen wir uns nun entscheiden ob wir zureck zur alten Route laufen oder hier die kuerze Route zurueck in die Zivilisation nehmen. Wir wollen das uns den Wetterbericht morgen holen und dann entscheiden wie es zum Abschluss weiter geht.

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